Der wahre Hintergrund des Insektensterbens

05. Februar 2019  Aktueller Blog

Wer sich mit den Klassikern der Literatur beschäftigt, trifft des Öfteren auf die Beschreibung von Naturzuständen, die schon unsere Eltern und Großeltern nicht mehr kannten.

Durch die Zentralisierung und stetige Vergrößerung der Landwirtschaft, durch die Aneignung der Allmende (das waren landwirtschaftliche Flächen in Gemeineigentum) durch meist adlige Grundbesitzer, die Mechanisierung der Landwirtschaft durch immer bessere Arbeitsgeräte – endend mit den modernen riesigen, oftmals computergesteuerten Traktoren und Maschinen – wurde nicht nur die Ertragskraft des Bodens immens gesteigert, dabei aber in verheerendem Ausmaß die „Lebenskraft“ des Bodens zerstört. Damit ging die Vernichtung der seit der letzten Eiszeit entstandenen Flora und Fauna einher. Schon Goethe beklagt, dass die ihm seit seiner Jugend bekannten Insekten teilweise fehlen . . .

Seit der Entdeckung, dass Düngemittel künstlich hergestellt werden können, erhöhte sich das Tempo der Veränderung (= Verschlechterung) rasant. Heute stehen wir vor dem Scherbenhaufen des Fortschritts aus biologischer Sicht, mit ausgestorbenen oder vom Aussterben bedrohten Spezies. Gerade die letzten Jahrzehnte seit dem 2. Weltkrieg haben eine vernichtende Bilanz des Rückgangs und Verschwindens von Insekten, Vögeln, Säugetieren, Amphibien, Pflanzen, intakten Ökosystemen und und und vorzuweisen.

Der Erfolg des angeblichen Fortschritts sind landwirtschaftliche Industriebetriebe, die den letzten bäuerlichen Hofstellen über kurz oder lang den Garaus machen und gleichzeitig vor allem mit ihren Tieren durch Massentierhaltung in absolut grausamer, verantwortungsloser, ja gesetzwidriger Weise verfahren. Nicht die sinnvolle Verwertung der Erzeugnisse ist Ziel, sondern die immer stärkere Ausbeutung des Bodens mit immer höheren Erträgen. Letztendlich geht es um die Akkumulierung von Kapital, um Anhäufung von Geld und dadurch um Macht. Sicherstellung der Versorgung mit Nahrungsmitteln steht schon lange nicht mehr im Vordergrund. Auch wenn manche Subventionen der EU bei der richtigen Stelle ankommen, so geht der Großteil doch an die Großbetriebe und dadurch auch an die Konzerne der chemischen Industrie, die, wie wir wissen, in recht kurzen Zyklen fusionieren und dadurch annähernd zu Monopolen anwachsen. Diese Monopole setzen ihre Macht gegebenfalls mit Gewalt und ohne Rücksicht auf Natur und Umwelt, Klima und Ressourcen durch, was viele Beispiele in Süd- und Nordamerika, in Afrika und in Asien zeigen.

Fakt ist: ebensowenig wie Kapitalismus und Frieden zusammenpassen, passen Kapitalismus und Umweltschutz zusammen. Denn mit Frieden lässt sich ebensowenig Geld verdienen wie mit sinnvoller, umweltschützender Landwirtschaft.

Um der verhängnisvollen kapitalistischen Entwicklung ein Gegengewicht zu bieten, reicht es nicht, sich „nur“ für den Frieden, für den Umweltschutz, für einen menschlichen Umgang miteinander einzusetzen. Es gilt die Kraft hinter der inhumanen Politik dieser Welt anzuprangern und zu bekämpfen: den ungezügelten Kapitalismus, egal welcher Prägung: angelsächsisch, rheinisch, chinesisch – Kapital ist international und kennt keine Grenzen. Auch nicht die Protagonisten dieser für unseren Planeten gefährlichen Gesellschaftsform.


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